So geht es
Wer in einer Firma an der Börse das Sagen hat – der Vorstand und der Aufsichtsrat – muss es melden, wenn er Aktien der eigenen Firma kauft oder verkauft. Im Fachjargon heißen diese Meldungen Directors’ Dealings oder Insiderkäufe. Das steht im Gesetz, und die Meldungen landen bei der Finanzaufsicht BaFin, wo jeder sie nachlesen kann. Nur: Es sind Hunderte im Monat, in Behördensprache, ohne Einordnung. Das übernehmen wir.
Was wir jeden Tag tun
Am Abend holen wir alle neuen Meldungen. Dann sortieren wir aus, was nichts bedeutet: Sparpläne, bei denen jeden Monat automatisch derselbe Betrag gekauft wird. Aktien, die jemand als Teil seines Gehalts bekommt. Käufe bei Riesenkonzernen, wo 50.000 Euro eines Vorstands im Rauschen untergehen. Und Firmen, die gerade erst an die Börse gegangen sind.
Was übrig bleibt, bewerten wir mit einer Zahl von 1 bis 10. Wir nennen sie „Wie stark“, und sie beantwortet eine einzige Frage: Wie deutlich ist das Zeichen, das die Chefs hier setzen?
Was die Zahl stark macht
Mehrere Chefs, die unabhängig voneinander innerhalb weniger Wochen kaufen – Profis nennen das einen Cluster-Kauf – das zählt am meisten. Ein einzelner Kauf kann viele Gründe haben; wenn drei Leute aus der Führung gleichzeitig zugreifen, wissen sie meistens etwas. Dazu kommt: Wie viel Geld, gemessen an der Größe der Firma? Wie frisch ist die Meldung? Und steht die Aktie heute noch ungefähr dort, wo die Chefs gekauft haben – oder ist sie schon davongelaufen? Verkäufe von anderen Chefs ziehen die Zahl nach unten.
Unter 5 heißt: schwaches Zeichen. 5 bis 7: deutlich. Ab 7: stark – mehrere Chefs, frisch, zu einem Kurs wie heute.
Was die Zahl nicht ist
Eine 8 heißt nicht „8 Prozent Gewinn“. Sie heißt nur, dass die Leute, die die Firma am besten kennen, gerade mit eigenem Geld gekauft haben.
Dass dieses Zeichen etwas wert ist, haben wir nicht erfunden. Forscher untersuchen es seit über zwanzig Jahren an vielen hunderttausend Meldungen – in den USA (Lakonishok und Lee, 2001; Cohen, Malloy und Pomorski, 2012) und für Deutschland (Betzer und Theissen). Das Ergebnis ist immer dasselbe: Käufe der Chefs, vor allem bei kleineren Firmen und wenn mehrere gleichzeitig kaufen, laufen dem Markt im Schnitt voraus. Nicht viel, nicht immer, aber messbar.
Wir rechnen das für Deutschland selbst nach. Dafür haben wir jede einzelne Meldung eines ganzen Jahres gelesen – über 2.200 – und jeden Fall, in dem mehrere Chefs gleichzeitig kauften, bis heute verfolgt. Das Archiv wächst jeden Abend weiter, und unser Probedepot zeigt offen, was aus den stärksten Zeichen wird. Was wir dabei sehen, deckt sich mit der Forschung: Der Gewinn kommt aus wenigen Fällen, in denen es sehr gut läuft, nicht aus einer sicheren Trefferquote. Wer hier einsteigt, sollte das wissen, streuen, also sein Geld auf mehrere Firmen verteilen, und nur Geld nehmen, das er nicht braucht.
Die stärksten Zeichen spielen wir selbst mit, ohne Geld, im Probedepot. Dort steht ehrlich, was daraus geworden ist.
Was wir nicht sind
Keine Anlageberatung. Wir sagen nicht, was du kaufen sollst. Wir zeigen, was die Chefs tun, und erklären, wie deutlich das Zeichen ist. Der Betreiber hält selbst Aktien von Firmen, die hier auftauchen können (derzeit: DEUTZ), und legt das offen.